Sonntag, 15. November 2015

Kapitel 10: Hoffnung



Es gibt genau fünf Gründe, weshalb ich noch am Leben bin und nicht mit meinem Leben abgeschlossen habe. Ehrlich geschrieben finde ich das bei längerem betrachten selbst faszinierend. Ich war 12 als der Autounfall meiner Mutter geschah. Ich saß auf dem Beifahrersitz und meine Mutter lenkte das Auto so, dass mir nichts passierte. Sie bekam die volle Wucht ab und war tot. Wir sind durch einen LKW untendrunter durch gekommen. Das Dach des Autos war weg. Nähere Einzelheiten erspare ich euch lieber. Nun zu dem eigentlichen Teil:

Dutzende von Erwachsene, Psychologen und sonstiger Leute - was ich im Nachhinein erst herausgefunden habe - meinten, dass es ein "Wunder" sei, dass ich noch am Leben bin - da muss ich wohl etwas tiefer ins Detail gehen. Sowohl der Autounfall war ein Wunder, da es logisch gesehen UNMÖGLICH war, unversehrt davon zu kommen. Selbst bei dem Ausweichmanöver meiner Mutter. Niemand wäre ungeschoren davon gekommen. Ich bin es. Das zweite Wunder war die Tatsache, dass ich immer noch am Leben war. Warum? Die oben genannten Personen meinten, dass bei so einem Vorfall sich selbst erwachsene Personen das Leben genommen hätten. Für mich ist das bis heute noch unvorstellbar. 

Hier unten liste ich euch mal die fünf Gründe auf:

- Hoffnung
- Glauben
- Willensstärke (durch Hoffnung und Glaube aufgebaut)
- Ziel / Wunsch / Traum
- Geschenk des Lebens

Bei dem heutigen Kapitel geht es überwiegend um die Hoffnung, doch ich werde wahrscheinlich hin und wieder mal auf ein paar andere Themen mit eingehen oder sie mit verbinden. Ich verbinde gerne Hoffnung und Glauben miteinander, obwohl meiner Meinung nach die Hoffnung darauf ausgelegt ist zu "hoffen", dass etwas passiert, wohingegen der Glauben mehr darauf aus ist von etwas "überzeugt" zu sein und diese Sache deshalb zu machen. Wie auch immer man es bezeichnen möchte, im Großen und Ganzen würde ich die beiden mehr als eingespieltes Team bezeichnen. Sei es jetzt auf zwei Top Stürmer beim Fußball oder zwei Partner bei einer Elite Task Force, die sich auf einander verlassen müssen und sich blind vertrauen.

Ich habe bis heute nicht die Hoffnung an den Menschen verloren. Ich weiß, dass sich Menschen zum Positiven verändern können - leider auch zum Negativen, aber sie können es und das alleine reicht schon zum Hoffen. Allerdings trennt die Hoffnung von der Naivität nicht viel. Es ist nur ein schmaler Grad auf dem man wandelt zwischen Hoffnung und Naivität. Hier ein banales Beispiel möglichst dem neuen Zeitgeist angepasst:

Du hast einen Partner und willst nicht, dass er mit Personen des anderen Geschlechts schreibt. Er verspricht es dir sogar. Irgendwann bemerkst du, dass er doch mit einer Person des anderen Geschlechts schreibst, obwohl er es dir versprochen hat. Du sprichst ihn darauf an, ihr klärt das und es kommt nie wieder vor. - Hoffnung (auf das es nie wieder passiert)

Gleiches Szenario, nur diesmal hört dein Partner auf, verspricht es dir nicht mehr zu machen und macht es dann trotzdem wieder. Du bemerkst es wieder, und so weiter. Das Spiel wiederholt sich und hat kein Ende. - Naivität

Ich selbst bin der Meinung, dass fast jeder eine zweite Chance verdient hat, allerdings muss man auch abwägen wie groß der zu erleidende Schaden war. Nicht für alles sollte man seinem Gegenüber vergeben und ihm noch eine Chance geben - meiner Meinung nach.

Ich persönlich, würde niemandem wegen dem gleichen Fehler zweimal vergeben. Niemals. Das zeigt mir nur, dass die Person aus dem ersten Vergehen nicht gelernt hat und das zeigt mir auch, dass es noch öfter dazu kommen wird. Lieber schließe ich jetzt mit dieser Person ab, anstatt weiter Kopfschmerzen zu haben. Dafür ist mein Leben und meine Zeit mir wesentlich zu kostbar.

Weiter im Text. Naja, ehrlich geschrieben, bin ich bisher noch gar nicht so tief auf dieses Thema eingegangen, aber ich würde es jetzt vorerst dabei belassen und bei der Fortführung dieses Kapitels weiter auf den Inhalt der Hoffnung gehen.

Ich hoffe, ihr entschuldigt meinen den kleinen Exkurs in meinen Kopf - wenn nicht, euer Pech. :P (Dieser Smiley sieht so hässlich aus, ich kann gar nicht nachvollziehen, wie ich diesen Smiley damals immer auf Knuddels oder Habbo verwendet habe.....)

Kommentare:

  1. Ich finde es ist ein gutes Kapitel geworden.
    Hoffnung. Ich glaube Hoffnung hat mich in der letzten 16 Monaten am Leben gehalten, wenn man das so schreiben kann. Hoffnung aber eigentlich auch Naivität.
    Juni letzten Jahres habe ich erfahren, dass meine Mutter Lungenkrebs hat. Ich konnte es gar nicht begreifen. Ich habe die ersten Wochen immer gedacht, dass das alles ja wieder schnell vorbei geht (ich weiß, sehr naiv). Jedenfalls waren die ersten Chemotherapien am schlimmsten für mich.
    Zu dem Zeit Punkt habe ich noch nicht wirklich gehofft, dass es besser wird, sondern ich war überzeugt davon, dass es besser wird. Es wurde dann auch besser, im Dezember 2014, war der Krebs weg. Doch nach einiger Zeit hatte meine Mutter immer sehr viel gehustet und schmerzen in der Schulter. Die Untersuchungen ergaben, dass sie wieder Krebs hat.
    Sie bekam wieder Chemotherapien, ab da ungefähr fing ich an zu hoffen. Ich hoffte das es ihr bald besser gehen würde. Ich dacht mir, dass so einem tollen und wunderbaren Menschen so etwas doch nicht passieren kann. Es machte mich ziemlich fertig sie so schwach zu sehen. Ich redete mir ein, dass alles wieder gut wird, vielleicht nicht so wie früher, aber wieder gut. Im Mai haben wir gesagt bekommen, dass die Chemotherapie nicht anschlägt, sie haben meine Mutter nur geschwächt.
    Ich habe natürlich weiter gehofft, aber dazu mit einer extremen Naivität. Ich war die letzen Monate oft traurig, aber die Hoffnung, dass es besser wird, hat mich damit relativ normal weiterleben lassen.
    Vor circa einem Monat ist meine Mutter denn zwar gestorben, aber durch meine Hoffnung konnte ich für mich selber stark und für sie da sein.

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    1. Ich hoffe, ich konnte/kann dir mit meinen Einträgen all das etwas vereinfachen und auch stückweise helfen.

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