Freitag, 23. Oktober 2015

Sonderkapitel 1: Deutsches Schulsystem

Da eben ein klein wenig die Diskussion über dieses Bild losging und ich schon ein klein wenig darüber geschrieben habe, dachte ich mir, ich mache mal ein "Sonderkapitel" und gehe hier in dem Blog mehr drauf ein. Wenn ihr es euch durchgelesen habt, könnt ihr euch auch dann in den Kommentaren darüber ausdiskutieren und eure Meinung dazu vertreten, auch untereinander. 

Wie ihr seht, lautet der Titel des Sonderkapitels "Deutsches Schulsystem", nachdem ich dieses Bild (siehe unten) gepostet habe, wurde ich gefragt, was an dem deutschen Schulsystem nicht so gut sein sollte. Nicht zu vergessen, es ist meine persönliche Meinung, ob ihr das für richtig oder falsch haltet, müsst ihr für euch entscheiden.

Hier ein kleiner Auszug:

"Was ist an dem deutschen Schulsystem so gut?
- Dass die Schuljahre noch mehr verkürzt werden?
- Dass noch mehr Druck entsteht und man noch mehr lernen muss, damit man überhaupt irgendwas machen kann?
- Dass man in den FERIEN lernen muss oder sich sogar Nachhilfe holen muss?
- Dass man sich Nachhilfe holen muss?
- Dass man heutzutage mindestens Abitur haben muss, damit man die Karriereleiter hoch erklimmen kann oder gutes Geld bekommt?
- Dass man alles mögliche in verschiedenen Sprachen machen kann, aber keine Ahnung von Finanzen / Steuern / Miete / Anträge / Rechte etc. hat?
- Dass man aufhört seinen Träumen nachzugehen?
- Dass man kaum noch Zeit für etwas anderes hat, selbst wenn der Unterricht vorbei ist?

Was, WAS ist an dem Schulsystem so toll?
Ist ja schön und gut, dass du weißt wie eine Polynomdivison funktioniert und was bringt das danach?
"Allgemeinbildung" - Was für eine Allgemeinbildung? Kaum etwas davon braucht man im späteren Leben. Es gibt niemanden der mich bisher "Hey, kannst du mir mal verraten wie ich die Polynomdisivon an meiner Steuererklärung anwenden kann?" gefragt hat.
Die Mehrheit weiß wahrscheinlich nichtmal wofür eine Steuererklärung gut ist oder was sie überhaupt ist, aber ihr schreibt tolle Noten, super! :)

Es ist ja supi zu wissen wann der erste Weltkrieg war und jetzt? Wann wirst du schon nach dem ersten Weltkrieg gefragt? Also mein Bäcker hat mich das noch nie gefragt und deiner?
Wie schwachsinnig ist es denn bitte, wenn man bereits 5,6,7 Stunden in die Schule geht, dann ist es bereits 3,4,5 Uhr und danach muss man trotzdem noch mal paar Stunden für die Schule aufwenden, damit man dann noch mehr irgendwas lernt und Aufgaben erledigt.
Wo bleibt das Leben? Wo bleibt Zeit für das Leben?
FERIEN sind dazu um sich zu erholen und nichts mit der Schule zutun zu haben und heutzutage muss man sich die halben Ferien mit Schulsachen quälen. Ich unterhalte mich da immer mit den Senioren im Tanzkurs und die finden es selber eine Frechheit, selbst einige Lehrer, die ich dazu befragt habe.
Wo bleibt das Leben? Wo bleibt Zeit für das Leben?
Die meisten Geschäftsführer von heute, hatten damals einen Hauptschulabschluss und haben es trotzdem weit gepackt. Heute muss man schon fast Abitur haben, damit man bei Aldi oder KFC überhaupt arbeiten darf oder "qualifiziert" dafür ist.
Aber ja, das deutsche Schulsystem ist super!"

Mir wurde bereits viel Zustimmung für diesen Text gegeben (Kann man das einfach so schreiben? gegeben? Wie auch immer.), allerdings auch ein paar wenige Ablehnungen, aber das ist nicht schlimm. Es gibt hierbei kein "wirklich richtig" oder "wirklich falsch", es ist ein persönliches Empfinden. Ja, in anderen Ländern ist es anders und sie sind froh, überhaupt in die Schule zu gehen. Das stimmt ja auch. Wir befinden uns allerdings in Deutschland und es nützt nichts, sich mit anderen Ländern zu vergleichen. Immer diese gespielte Heuchelei. Könnt ihr nicht mal damit aufhören und euch auf das konzentrieren was wirklich vor euch liegt? 

Jeder kennt dieses Beispiel der Eltern:
Man hat eine Arbeit zurückbekommen, kommt nach Hause, erzählt stolz den Eltern, dass man eine 2 oder 3 geschrieben hat und sie fragen dich "Und was hat der Max für eine Note geschrieben?" / "Was haben die anderen für eine Note geschrieben?" - ihr antwortet "Eine 1", sie fragen euch daraufhin "Und warum hast du keine 1 geschrieben?????" (Natürlich nicht in jedem Elternhaus, aber jeder kennt dieses Beispiel)

An einem anderen Tag kommt ihr wieder mit einer anderen Arbeit nach Hause und erzählt euren Eltern, dass ihr eine 4-5 geschrieben habt; eure Eltern daraufhin "Was wieso????" - ihr antwortet "Die anderen haben aber auch so eine Note!" und eure Eltern entgegnen euch "Uns ist egal was die anderen Kinder geschrieben haben!!!!"

Ja super, diese Denkweise bringt einen nach vorne. Es ist scheiß egal was andere Länder haben und was sie nicht haben. Schaut auf das was wir hier haben. Die Kinder in Afrika sind froh, dass sie in die Schule gehen können, da es dort sehr schwierig ist, überhaupt an Bildung zu gelangen. Wir bekommen sie quasi vor die Füße geschmissen. Woher wollt ihr allerdings wissen WAS die Kinder in Afrika oder sonstigen Ländern lernen? 

Ich schreibe gar nicht, dass das Schulsystem komplett beschissen ist, allerdings ist meiner Meinung nach alles oberhalb der siebten Klasse vollkommen überbewertet und nicht vonnöten. Menschen sind Individuen - jedenfalls sollten sie es sein, sie haben praktisch diese "Fähigkeit" bekommen - da ist es schwachsinnig irgendwas "Allgemeines" in sie hineinzupressen. "Allgemein", wer definiert das überhaupt? "Allgemeinbildung", wer hat das festgelegt? 

Ich habe letztes Jahr mal einen ähnlichen Text geschrieben, bzw. umformuliert und den möchte ich euch nicht vorenthalten, wenn wir uns schon zu dem Thema äußern:

"Im Endeffekt lernst du in der Schule alles außer das, was du wirklich fürs Leben brauchst. Du lernst nicht wie du dumme Kommentare wegsteckst, wie du selbstsicher und stark wirst. Du lernst nicht, wie du jemanden findest, mit dem du das Leben verbringen willst. Du lernst auch nicht wie du mit deinem Leben klar kommst, wenn es nicht läuft. Du lernst nicht, wie du Träume verwirklichst. Auch nicht, wie man glücklich wird. Man lernt nur irgendwelche Formeln, Namen von Menschen, die schon lange nicht mehr Leben und sonstiges Zeug was man nicht mal im Beruf braucht."

Vielen Dank für das Beibringen von einer Gedichtsanalyse in drei Sprachen, vielen Dank! Und was bringt mir das jetzt im Leben? 

Es wird ebenfalls immer vorgeheuchelt, dass man in der Schule anfängt sich eine Meinung zu bilden. Ist das tatsächlich so? Wir sind in Geschichte 6. / 7. Klasse (Ihr werdet es wohl besser wissen.) und kommen jetzt im Zeitalter der Aufklärung an, wie Immanuel Kant einst sagte: 

"Habe Mut, dich deines eignen Verstandes zu bedienen."

Zeitalter der Aufklärung. Die Lehrer versuchen einem vorzugaukeln, dass sie euch beibringen, eigenständig zu denken und etwas daraus zu machen. Sich eine MEINUNG zu formen und sie zu äußern, ist das tatsächlich so? Sobald man anderer Meinung ist und diese vertritt (ohne jetzt beleidigend zu werden natürlich) wird man vor die Tür geworfen und als Rabauke und dumm abgestempelt. Nur weil man eine andere Meinung hat. Uns wird beigebracht zu denken und eine Meinung zu haben, aber wir dürfen sie nicht äußern. DAS wird einem in der Schule beigebracht oder sollte ich eher schreiben sogar schon in der Schule beigebracht? Woher kennt ihr dieses Beispiel denn noch? Genau, auf der Arbeit, manchmal sogar unter Freunden und fassen wir es einfach mal zusammen: In der Gesellschaft.

Wie Bushido einst sagte oder rappte: 

"Wie oft muss ich mir anhören von euch, ich soll aufhören zu träumen?
In der Schule lernst du gar nichts außer aufhören zu träumen."

Damit man diese Zeilen wirklich verstehen kann, empfehle ich euch den Film "Der Club der toten Dichter" (auf englisch Dead Poets Society) zu schauen. Es ist schwer, wenn man keine Bilder vor Augen hat, sich wirklich hineinzuversetzen und zu verstehen, was damit gemeint ist. Aber wenn ihr euch diesen Film anschaut, dann werdet ihr verstehen was ich meine. Achtet dabei auf den Jungen Neil Perry, der anfängt zu träumen und versucht seinen Traum zu verwirklichen. 

Ich könnte mit diesem Thema ewig lange weitermachen, aber ich ziehe jetzt mal einen Schlussstrich und überlasse euch das Ruder.

Was ist eure Meinung dazu? 

Viel Spaß. 


Kommentare:

  1. Meiner Meinung nach wird das deutsche Schulsystem absolut überbewertet. Das "Turbo-Abitur" ist kaum zu schaffen, wenn man zumindest noch ein zwei Stunden Freizeit haben möchte. Der Tag eines Durchschnittschülers sieht dann beispielsweise folgendermaßen aus:
    05:30 Aufstehen
    06:00 Frühstück und ins Lehrbuch gucken
    06:50 Zur Schule fahren
    07:30 Vor dem Unterricht einen Blick ins Material werfen
    08:00
    - 13:10 Unterricht (Gedichtsanalysen auf Deutsch, Englisch und Spanisch)
    13:10
    - 14:15 "Mittagspause" und auf den folgenden Unterricht vorbereiten
    14:15
    - 15:45 Unterricht
    16:05 Zuhause ankommen
    16:10 Kleinigkeit essen
    16:30 Unterricht nachbereiten
    18:30 Für die Mathearbeit in der nächsten Woche lernen
    20:00 Abendessen
    20:30 Ein wenig Freizeit
    21:30 Schlafen gehen - mit dem Gedanken, kaum etwas erreicht zu haben.
    Ja, die heutigen Schüler werden einem enormen Druck ausgesetzt.

    Ich bin mir keineswegs sicher, welche Arbeitskräfte Deutschland in 10 Jahren beschäftigen wird. Abiturienten mit einem Schnitt von 2,7 bedienen bei MCDonalds?
    Und die Schüler, die "nur" einen Realschulabschluss geschafft haben, dürfen einen lächerlichen Hartz IV Betrag beanspruchen? Weil kein Arbeitgeber diese Leistungen als ausreichend erachtet?
    Menschen werden nicht mehr als Individuen gesehen. Eher als Maschinen, welche auf Knopfdruck 100% Leistung erbringen müssen.
    Würde mich gerne intensiver zu diesem Thema äußern, jedoch habe ich den Faden verloren.

    Na denn, Prost und lebe wohl.
    Meinung einer weiblichen Gymnasiastin in der 11. Klasse.

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  2. Nach meinem persönlichem empfinden ist dieser Post besser als die letzten 2 und hat mich persönlich auch eher interessiert. Ich finde die Art wie du schreibst und worüber du schreibst gut allerdings ist es manchmal zu "flach" wenn man das so sagen kann. Trotzdem hoffe ich das du nicht aufhörst zu schreiben denn auf andere wirkt es manchmal motivierend, interessant und aufbauend. Außerdem macht die Übung den Meister und deine Überlegungen finde ich sowieso gut.
    -A

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  3. Gebe dir da vollkommen recht. Bin 20jahre alt und war im vergangenen jahr genauso auf das thema anzusprechen.
    Ich teile deine meinung zu 100%.
    Man wird ausgebildet zur maschine, nur darauf ausgerichtet zu funktionieren. 90% aller menschen besitzen 10% allen geldes und 10% menschen besitzen 90% des geldes.
    Das hat für mich den trigger gesetzt, mich aus diesem standardleben zu befreien und einen anderen weg anzustreben.
    Das abi hab ich glücklicherweise mit weit weniger aufwand geschafft als viele andere, dafür aber umso knapper und mit verbundenem druck.
    Das system ist meiner meinung nach total zurückgeblieben und ich sehe es mittlerweile als totale Zeitverschwendung das abitur zu machen, zu studieren, evtl den doktor zu machen und dann 60-90std/woche zu arbeiten.
    Ironischerweise streben die meisten menschen genau diesen weg an und blicken auf die herab, die das wertvollere gut, zeit, zur Verfügung haben.
    Man beachte wie sich die arbeitszeiten verhalten, während man den allgemeingültigen weg des "erfolgs" beschreitet.
    Kindergarten: 20-30std
    Grundschule: 25-35std
    Weiterführende schule: 30-40std
    Studium: 20-30std (plus nahezu komplette eigenorganisation, lernen das das abitur wie eine stufe neben einem hochhaus aussehen lässt, arbeiten um sich überhaupt am leben zu halten sofern man nicht zu den oberen 10% gehört)
    "Erfolgreicher" arzt, anwalt etc: 60-90std easy

    Alles nur um sich dinge zu kaufen, die man vorher nie gebraucht hatte als man noch sein leben genießen konnte und wiederum an den job gebunden zu sein.
    Und dann rechtfertigt man sein 70-80% unfreies leben durch überhebliche kommentare. Jeder versucht sich abzuheben durch sein studium, job oder materielles zeugs.
    (So zumindest meine erfahrung während und nun 1.5 jahre nach dem abitur)

    Ich halte das system nur noch für eine kleine menge der menschen für nützlich. Nämlich für die, die einen anstellen.

    Meiner ansicht nach ist der einzig richtige weg von menschen zu lernen, die bereits haben was man haben/sein will und seinen beitrag zur welt zu leisten.

    Schule ist nicht bildend, sondern einbildend.

    Btw dein blog ist gut. Lese eig keine blogs, aber deine gedanken ragen aus der menge raus.

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    1. "Schule ist nicht bildend, sondern einbildend." - bei dem Satz musste ich schmunzeln. Gefällt mir.

      Vielen Dank für dein Feedback.

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